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„Steingut-Geschirr
aus der Oberpfalz“
„Tonwaren
aus Schwandorf und Schwarzenfeld“
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Vom 16. Mai bis zum 17.
Oktober 2004 ist in Stadtmuseum Schwandorf eine Ausstellung zu sehen,
die einen wichtigen Aspekt der Industriegeschichte Schwandorfs bzw. der
gesamten Oberpfalz beinhaltet: Die Geschichte der Tonwarenfabrik
Schwandorf und ihrer Zweigwerke in Schwarzenfeld, Wiesau und Pirkensee. |
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Zwar gehörten
zur "Centrale" in Schwandorf in ihrer absoluten
Blütezeit insgesamt fünf Werke (Schwandorf,
Schwarzenfeld, Pirkensee,
Wiesau und Amberg), jedoch gibt es zur Steingutfabrik in Amberg, die
übrigens als älteste Steingutfabrik der Oberpfalz zu bezeichnen ist,
eine eigene Ausstellung im Stadtmuseum Amberg. Ihre Hauptproduktionszeit
lag zudem nicht in der Zeit, als sie ab 1918 zu Schwandorf gehörte,
sondern im 19. Jahrhundert.
Schwerpunkt des im Jahr
2004 gezeigten Steingut-Geschirr-Ausstellungsprojektes soll aber das
beginnende 20. Jahrhundert bis zum Ende der großen Oberpfälzer
Steingutfabriken in Hirschau und Schwarzenfeld in den 1950er Jahren
sein. Mehr zu diesem Projekt finden Sie in den einzelnen Museen
(siehe anschließende Beschreibung) und auf der Homepage: www.steingut-oberpfalz.de
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Foto: Peter Ferstel, Regensburg |
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„Tonwaren
aus Schwandorf und Schwarzenfeld“
Ab
Sonntag, den 16. Mai 2004 ist im Stadtmuseum Schwandorf
eine neue Sonderausstellung zu sehen, die einem großen
Ausstellungsprojekt der Oberpfalz angeschlossen ist: Sieben Museen
zeigen gleichzeitig sieben verschiedene Aspekte als Sonderschauen zu
einem großen Thema, was bislang in vielerlei Hinsicht einzigartig ist.
Zum ersten Mal geschieht es beispielsweise dass Oberpfälzer Museen
sich für ein großes Projekt vernetzen und gemeinsam ein
kunsthistorisch, volkskundlich interessantes und wichtiges Thema
aufarbeiten. Das Ergebnis kann sich – wie wir meinen – sehen lassen!
Jedes Museum zeigt den interessierten Besuchern einen wichtigen
Gesichtspunkt zum umfassenden Ausstellungstitel: „Steingut – Geschirr
aus der Oberpfalz“. Dies reicht vom Dekor und Design über einzelne
Firmen- und regionale Industriegeschichte über die spannende
Fragestellung, was den zu Zeiten unserer Groß- und Urgroßmütter
überhaupt hinsichtlich Geschirr und Kochgerät in den
damaligen Küchen- und Geschirrschränken zu finden war. Es wird
ebenso erklärt, wie dieses Geschirr überhaupt gemacht wurde und was
es vom heute so beliebten Porzellan unterscheidet. Natürlich bleibt
dabei das zentrale Thema das Steingut-Geschirr, das in seiner Vielfalt
in Farben, Formen und Ausführungen in den einzelnen Museen
(Freilandmuseum Neusath-Perschen, Oberpfälzer Volkskundemuseum
Burglengenfeld, Bergbau- und Industriemuseum Theuern, Kreismuseum
Walderbach, Stadtmuseum Nittenau, Stadtmuseum Amberg und Stadtmuseum
Schwandorf) zu sehen ist. Das große Schmankerl dabei ist, dass dieses
hier bei uns in der mittleren Oberpfalz, sprich in den einst großen
Steingutzentren Regensburg-Walderbach, Amberg, Hirschau und Schwandorf
produziert wurde.
Im Stadtmuseum
Schwandorf ist nun - gemäß seiner stadthistorischen Sammlung – das
Thema „Tonwaren aus Schwandorf und Schwarzenfeld“ zu sehen. Hier kann
der Besucher bis Mitte Oktober 2004 alles über die heute noch bei den
meisten Schwandorfern in Erinnerung gebliebene Tonwarenfabrik
Schwandorf erfahren, welche wichtige Zweigwerke in Pirkensee, Wiesau,
vor allem aber in Schwarzenfeld hatte. In der Tonwarenfabrik
Schwarzenfeld, die übrigens genau vor 100 Jahren 1904 gegründet worden
ist, produzierte man dann vor allem in den 1930er bis in die 1950er
Jahre hinein Steingut-Geschirr, wie es in die Aussteuer vieler junger
Mädchen damals kam, eventuell als Kaffeeservice „Helga“ mit den
bekannten blauen Punkten oder als Speiseservice „Klara“, das als sehr
beliebte Variation „Erntedank“ einen handgemalten Blumendekor
aufweist. Dies ist aber nur ein ganz kleiner Aspekt der ausführlichen
Sonderschau, die das Stadtmuseum Schwandorf eingebunden in das
Oberpfälzer Museumsprojekt den interessierten Besuchern zeigen und
vermitteln möchte...
Begleitend zur
Ausstellung ist unter Federführung von Dr. Werner Endres, einem
ausgewiesenen Keramikspezialisten, ein farbig bebildeter Begleitband
mit dem Titel „Steingut – Geschirr aus der Oberpfalz“ im Deutschen
Kunstverlag erschienen, der für 25 Euro in jedem am
Ausstellungsprojekt beteiligten Museum erhältlich ist.
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Die
Tonwarenfabrik mit ihrer „Centrale“ in Schwandorf
Die einst vor über
140 Jahren aus einer Ziegelei entstandene Tonwarenfabrik in Schwandorf
erlangte nicht nur in der Oberpfälzer Region, sondern überregional
Bedeutung innerhalb der Industriegeschichte des ausgehenden 19. bis
Mitte des 20. Jahrhunderts. Im
Jahr 1859 hatte das Städtchen, das damals etwas über 2000 Einwohner zählte
einen Bahnhof erbaut, an dem sich in den folgenden Jahren die
Bahnlinien von Nord nach Süd und von Ost nach West kreuzen sollten, die
Eisenbahnstrecke München – Hof und die Verbindung von Nürnberg nach
Prag über Furth im Wald. Diese verkehrstechnisch günstige Situation
zusammen mit weiteren Standortfaktoren, wie ein gutes, reichhaltiges
Tonvorkommen und zahlreiche billige Arbeitskräfte, die zunächst die in
erster Linie landwirtschaftlich orientierte Bevölkerung bot, waren die
Voraussetzungen dafür, dass die Tonwarenfabrik hier überhaupt
entstehen konnte. Ort und Zeit hatten ihre Entstehung und schließlich
dann auch ihren Niedergang bewirkt: Seit 1994 ist auf dem Betriebsgelände
in Schwandorf die Keramikproduktion für immer eingestellt worden.
Der
Schwandorfer Chronist Joseph Pesserl, der 1866 seine „Chronik und
Topographie von Schwandorf“ veröffentlichte, war ein wichtiger
Zeitzeuge und berichtet uns nicht nur über den Bau der Eisenbahn und
des Bahnhofes, sondern ebenso von den nach der Mitte des 19.
Jahrhunderts sich entwickelnden Industrieanlagen, zu denen auch die
Ziegelei bzw. ein Werk für Tonwaren zählte: „Die
günstigen Verkehrs-Verhältnisse von Schwandorf veranlassten (...) die
Anlage einer großartigen Ziegel- und Thonwaaren-Fabrik, die von dem
unternehmenden Maurermeister Jos. Löll und Comp. südöstlich der Stadt
zwischen der Strasse und dem Kreuzberge erbaut wurde. Der Betrieb
geschieht durch eine Dampfmaschine mit achtfacher Pferdekraft, während
die sechs eigenthümlich construirten Brennöfen in solcher Verbindung
mit einander stehen, dass der im Brande befindliche Ofen den nach ihm
anzuzündenden Ofen vorwärmt und hierdurch an Brennzeit und Kohlen viel
erspart wird. Die künstliche Vorrichtung lässt täglich bei 5-6000
feuerfeste Ziegelsteine erzielen. Nebenbei werden aus weißem, fetten
und plastischen Tegel noch Fabrikate zu Bau-Ornamenten, Ofengut, sowie
Figuren und Draine-Röhren gefertiget. Zum Brennen der glasirten Waaren
besteht ein besonderer Ofen. Das für die Fabrikation vorzüglich
geeignete Roh-Material an Keuper-Thon lagert in einer halben Stunde
Entfernung bei Nodermoos in ziemlich reichlicher Menge.“
Aus
den produzierten Ziegeln bzw. roten Klinkern wurden damals gerade auch
in Schwandorf selbst zahlreiche Häuser erbaut, darunter Gebäudekomplexe
wie die Knabenschule oder das Zollamt, und ebenso Gehsteige die mit
Klinkerplatten belegt waren und viele Wohnhäuser gedeckt mit Falzziegel
und Biberschwänzen, wobei die meisten dieser Häuser inzwischen
abgebrochen sind.
Zunächst
als Ziegelei durch den Sulzbürger Maurermeister Josef Löll gegründet,
entstand aus dem Werk rasch auch eine Fabrik für „Thonwaaren“.
Dieses profitierte vor allem von einem „Bauboom“, der damals
aufgrund der neuen, günstigen Verkehrssituation (Eisenbahn) und der nun
sich entwickelnden Industriebetriebe einsetzte. So hielt am 17. Juni
1863 das Bezirksamt Burglengenfeld fest: „Dem
Maurermeister Joseph Loell in Schwandorf, dann dem Kaufmann Jonathan
Baumann in Fürth und dem Eisenhändler Simon Goldschmied von Sulzbürg
wird hiermit beurkundet, dass ihnen mit rechtskräftigen Beschluss vom
29. 5. 1863 eine gemeinschaftliche, persönliche Fabrikskonzession zur
Verfertigung von Tonwaren in der Stadt Schwandorf unter der Firma `Josef
Loell et Companie´ erteilt worden sei.“
So
sollte man bei der Tonwarenfabrik Schwandorf weniger von einem Gründungsjahr
als vielmehr von einer Gründungszeit anfangs der 1860er Jahre sprechen.
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Die
Tonwarenfabrik Schwandorf - ein Überblick
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Entstehung
und Entwicklung im 19. Jahrhundert
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1865
wurde eine neue Offene Handelsgesellschaft Gesellschaft (OHG) gegründet,
die die Werksstruktur und Produktion entscheidend prägen sollte; Im
gleichen Jahr wurden zu den dem Fabrikgelände naheliegenden Tongruben
bei Nattermoos und Kronstetten noch Tongruben bei Schwarzenfeld
angekauft
(Firmenleitung: Ingenieur Hermann Escherich)
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1873:
die Bezeichnung „Tonwarenfabrik Schwandorf“ entstand in diesem Jahr
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1877: das Werk hatte sich unter Escherich in technischer
Hinsicht rasant weiterentwickelt; Patentierung der Schwandorfer Ringöfen
mit Gasfeuerung mit dem Ergebnis, dass es zu den leistungsfähigsten und
fortschrittlichsten ihrer Art in Deutschland zählte.
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Escherich
hatte einen hochmodernen Ringofen mit Gasfeuerung entwickelt, „zur
Erzeugung von feuerfesten Steinen, Dachziegeln, Mauerverzierungen,
feuerfestem Kochgeschirr und ähnlicher Tonwaren.“ Zur
Produktpalette zählte ferner Baukeramik unterschiedlichster Art, wie
„Chamottesteine, Verblender,
Kaminbausteine und Dachmaterial“ und „zu Abort- und
Kanalisationsanlagen allein geeignet, garantirt säurebeständig: Prima
Steinzeugröhren, Drainageröhren. (...)
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Werksansicht vor 1945 |
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zu Stalleinrichtungen: glasirte Pferde-,
Kuh-, Kälber-, Schweins- und Ferkeltröge. Ferner: Chamottesteine,
Hafnerplatten, Verblender, Radialsteine etc. Muster und Offerten
jederzeit zu Diensten.“ (aus einer Zeitungsanzeige des Schwandorfer
Tagblattes vom 27.11.1904)
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Das
Werk präsentierte seine Produkte auch auf den internationalen Märkten
und gehörte damals wohl zu bedeutendsten Industriebetrieben in Bayern,
wenn nicht sogar in Süddeutschland, was die Herstellung von Grob- und Feinkeramik betrifft. So wurde es
sogar auf den großen internationalen Ausstellungen von 1882, 1896,
1906 und 1910 mit Goldmedaillen ausgezeichnet.
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Gründung von wichtigen Zweigwerken wie 1882 in Wiesau, 1895 in Pirkensee
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Übernahme der schon bestehenden Steingutfabriken 1918 in
Schwarzenfeld und Amberg
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1882
Hermann Escherich starb und weil keiner seiner Söhne die Nachfolge
antrat führte zunächst der Ingenieur Franz Meiser die Geschäfte in
gewohnter Manier weiter
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um 1883
wurde der Schwan als Fabrikmarke geführt und als geschütztes
Warenzeichen eingetragen
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1889 Verkauf
der Tonwarenfabrik Schwandorf: nachdem Ingenieur Franz Meiser,
Kommerzienrat Louis Weinmann und Ingenieur Jakob Heilmann eine
Aktiengesellschaft gegründet hatten, übernahmen sie am 13. Januar 1891
die Tonwarenfabrik, die nun als AG weiterbestand. Die OHG wurde daher am
8. April des gleichen Jahres gelöscht
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in den Folgejahren kam es zu ständigen
Erneuerungen und Erweiterungen auf dem Fabrikgelände. Mehrere Brände
hatten zur Folge, dass einzelne Gebäude und Firmenteile, wie
Ofenanlagen, immer wieder neu aufgebaut werden mussten.
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1897:
Bau Gasofen II für Klinkerplatten und Klinkersteine
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1901:
Kammerofen abgebrannt und wieder aufgebaut
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1908:
Bau Gasofen III für Bodenplatten in verschiedenen Farben
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1909:
Gasofen I abgebrannt und wieder aufgebaut als neuer Gasringofen mit 16
Kammern im Anschluss an den Gasringofen II des Jahres 1891/92 zum
Brennen von gesinterten Bodensteinplatten in verschiedenen Farben
Energiequelle:
Gas, welches mit Hilfe von Braunkohle direkt erzeugt wurde. Die Braunkohle wurde damals bei Wackersdorf im Tagebau
abgebaut, war also wiederum direkt vor Ort vorhanden.
Schwierige
Kriegszeiten im 20. Jahrhundert
die Zeit des Ersten Weltkrieges (1914-1918) ging auch an
der Tonwarenfabrik nicht spurlos vorüber: ein Mangel an Arbeitskräften
führte zur Schließung ganzer Fabrikabteilungen; die Produktion an
Bodenplatten, Klinkerplatten und Klinkersteinen wurde ab Herbst 1914
eingestellt, nur die Chamotteherstellung für die Eisenwerke ging
weiter, welche für die Rüstungsindustrie wichtig waren; außerdem:
auf dem Fabrikgelände wurde Pulver hergestellt und in Sprengkörper
gepresst, und 1916 wurde sogar ein Teil der Fabrik auf die
Produktion von Granaten umgestellt
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1918 kam
mit dem Kriegsende die Fabrik kurzzeitig zum Stillstand. Danach wurde
sie wieder gemäß ihrer Bestimmung auf die Herstellung von Keramikwaren
umgestellt
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die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bis weit in die 1920er
Jahre hinein galt als sehr anstrengende Periode mit oftmaligen
Neuorientierungen (Konkurrenz aus der Porzellanindustrie und
Weltwirtschaftskrise)
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1920/21:
Kammerofen und Gebäude abgebrochen; Neubau der
Elektro-Porzellan-Abteilung (damals überall einsetzende
Elektrifizierung)
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Ende 1923 wurde eine Feuerton-Abteilung eingerichtet, in
der man vor allem „sanitäre Spülwaren“ produzierte, und als die
Schamotteabteilung 1932 und die Elektroporzellanabteilung 1934
geschlossen wurden, kamen im Feuertonverfahren die sogenannte „Solidur-Abteilung“
(1928) und die Novidur-Abteilung (1934) hinzu, mit Produkten aus dem
Sanitärbereich, wie „Klosetts“ oder „Waschtische“ aus Porzellan
und Feuerton bzw. braunem Steinzeug. In dieser Zeit: Kontakt zur
Porzellanfabrik Kahla AG, Thüringen, der in der Aufnahme des
Schwandorfer Werkes in den Kahla-Konzern 1925 gipfelte
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1928
löste die Tonwarenfabrik Schwandorf das alte Gütezeichen „Schwan im
Kreis“ durch die neue Schutzmarke T und S, miteinander verschlungen,
ab
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1929 die
Zweigwerke in Pirkensee und Amberg wurden geschlossen
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1930er Jahre:
langsam erholte sich die Wirtschaftslage. Das Tonwarenwerk in Schwandorf
war auf Sanitärkeramik und große Gefäße, wie Futtertröge,
Konservierungsbehältnisse oder Keramik für die chemische Industrie
umgestiegen. Wesentliche Standbeine der Firma waren die zwei
verbliebenen Zweigwerke in Wiesau und Schwarzenfeld. Das Werk in Wiesau
stellte die Langezeit für die Kanalisation unentbehrlichen braunen
Steinzeugrohre her.
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In Schwarzenfeld dagegen entstanden Steingutgeschirre für Tisch,
Haushalt und Dekoration.
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Tonwerk Schwandorf 1932 |
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Schwierige Zeit des Zweiten Weltkrieges (1938-1945): aus
einer Annonce zum Jahreswechsel 1940 der Zeitschrift „Die
Schaulade“: „Das alte Jahr ist
müd´ geworden. Es hat sich auch so abgehetzt wie wir für unsere
Kunden. Dank allen, die Verständnis hatten für unsere schwere Arbeit
jetzt. Dem Führer Heil! Viel Glück den Kunden! Sei unser Wunsch für´s
neue Jahr“.
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das Werk kam durch die
Kohlenknappheit zum Erliegen und wurde für Lagerzwecke und Fremdfirmen,
die für Rüstungs- und Kriegszwecke relevant waren, als
Ausweichmöglichkeit genutzt: Feldbekleidungsamt, Nachrichtenwesen,
Maschinenfirmen etc. kamen in den stillstehenden Fabrikanlagen unter und
dienten auf diese Weise der Front.
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17. April 1945
die Bomben der Alliierten legten das Werk vollkommen in Schutt und
Asche. Nur die Kamine blieben stehen und ragten aus den Trümmern.
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die
Zweigwerke in Schwarzenfeld und Wiesau überstanden den Krieg
unbeschadet
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Tonwerk Schwandorf nach der Bombennach vom
17. April 1945 |
Nachkriegszeit
bis zur Werksschließung
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1946
wurde entschieden, das Hauptwerk in Schwandorf wieder aufzubauen. Nach
über zwei Jahren konnte das Werk 1949 wieder eröffnet werden. Die
Folgezeit zeigte jedoch, dass die Fabrik ihre Produktpalette umstellen
musste
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1954 wird
das Werk der Porzellanfabrik Kahla AG (Schönwald/ Oberfranken)
angeschlossen, denn der Absatz der Produkte aus Feuerton und Steingut
wurde zunehmend schwieriger
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1956
ein neues Werk des Kahla-Konzerns wurde in Betrieb genommen, das auf dem
TWF-Gelände neu errichtet worden war, d.h. in Schwandorf entstand eine
Niederlassung der Porzellanfabrik Arzberg. Nun wurde hier „richtige“
Geschirrkeramik produziert, genau zu der Zeit, als die Ära der
Steingut-Geschirrherstellung in Schwarzenfeld mit der Schließung des
Werkes 1956 endete.
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1959
war der Standort nur noch Zweigniederlassung, d.h. die Tonwarenfabrik
ging im Mutterunternehmen der Kahla auf, womit ihre Selbständigkeit
endete.
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in den Folgejahren folgten noch mehrere Änderungen bezüglich
der teilhabenden Aktiengesellschaften, darunter waren die vor allem die Hutschenreuther-Keramag, Gebrüder Bauscher – Porzellanfabrik Weiden
und die Steinzeug Frechen GmbH beteiligt.
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1994 schloss der letzte
Keramikbetrieb auf dem Gelände der ehemaligen „Tonwarenfabrik“
seine Pforten, bedingt durch eine neue gesellschaftliche und
wirtschaftliche Situation, die die Keramikherstellung an diesem Standort
als nicht mehr rentabel erscheinen ließ.
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Tonwerk Schwandorf nach der Schließung |
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(Quelle:
Eva Maria Kutzer im Begleitband zur Ausstellung: Steingut - Geschirr aus
der Oberpfalz. Geschichte, Formen, Dekore. Deutscher Kunstverlag
München 2004)
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Die Tonwarenfabrik
in Schwarzenfeld und ihre Produktion an
Steingut-Geschirr
Bespricht
man das hier ausgestellte Steingutgeschirr, so muss unbedingt darauf
hingewiesen werden, dass es einige Verwirrung bezüglich der
Ortsbezeichnungen innerhalb der Herstellungsmarken gibt und dem tatsächlichen
Produktionsort. Hergestellt wurde das Schwandorfer Steingutgeschirr
immer – soweit bislang bekannt – ausschließlich in der
Tonwarenfabrik Schwarzenfeld. Diese war seit 1918 durch das Hauptwerk in
Schwandorf aufgekauft worden und produzierte sämtliches Geschirr für
Haushalt, Tisch, Tafel und Dekoration aus Steingut, während in der
Tonwarenfabrik Schwandorf in erster Linie Bau- und Sanitärkeramik aus
Feuerton bzw. Steinzeug erzeugt wurde, wie auch in den zwei weiteren
Filialwerken in Wiesau und Pirkensee. Wiesau wurde vor allem aufgrund
seiner Steinzeugrohre für die Kanalisation und Pirkensee wegen seiner
äußerst haltbaren Dachziegel bekannt.
In
dem von der Schwarzenfelder Bevölkerung als „Heferlbude“
bezeichnetem Werk entstand also das in dieser Ausstellung präsentierte
Geschirr in seiner an Formen- und Farbgestaltung überaus reichen
Vielfalt, auch wenn die meisten Marken (bis auf wenige Ausnahmen der
Nachkriegszeit) auf den Ortsnamen Schwandorf hinweisen.
Betrachtet
man die Dekorvariationen und Geschirrserien im Überblick, dann fällt
auf, dass die ältesten Stücke aus der Waffler-Zeit, die sich bis heute
erhalten haben, Tassen, Kannen und Doppelhenkeltöpfe sind, hauptsächlich
mit sogenanntem Schachbrettdekor bzw. „freigekratztem
Rechteckmuster“ in Blau oder Braun. In den Zeiten, als das Werk dann
zum Hauptwerk in Schwandorf gehörte, waren in den 1920er Jahren zunächst
Blumenmuster in Handmalerei- und schwarzer Schablonendekor auf weißem
Grund sehr häufig. Damals entwarf auch der Münchner Designer Jean Beck
einzelne Formen und Dekore für das Tonwarenwerk Schwarzenfeld. Ende der
1920er Jahre kamen die pfiffigen und farbig sehr frisch gehaltenen
Spritzdekore (meist in Gelb, Grün, Orange oder Blau) in Mode, die bis
in die 1930er Jahre beliebt blieben. Erst durch die NS-Zeit beeinflusst,
schmückte man dann wieder viele Geschirre mit Handmalerei, vor allem in
Blumenmuster. Marmorierte Glasuren bzw. Verlaufsglasuren wurden zu
dieser Zeit ebenso gestaltet, wie Schablonenmalerei, die seit den 1920er
Jahren beständig hergestellt wurde.
Leider
sind nur wenige historische Unterlagen über die Fabrik in Schwarzenfeld
erhalten, die nach ihrer Schließung 1956 vollständig abgebrochen
wurde.
Die
Schwarzenfelder Tonwarenfabrik und ihre Produktion im Überblick
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1902 - 1904 wurde von Heinrich Waffler jun. in
Schwarzenfeld, das reiche Tongruben besaß, ein geeignetes Fabrikgelände
erworben und im Jahr 1904 ein Steingutfabrik-Neubau errichtet (heute
Ecke Buchtalweg-Böttgerstraße)
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1906 Verkauf des Betriebes an die Herren Fitzer und Laufer
aus Böhmen
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1908 übernahm Heinrich Waffler jun. die Steingutfabrik
wieder die dann 1909 durch einen Anbau noch erweitert wurde
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Ende des Jahres 1909 übergab Heinrich Waffler den Betrieb an
seinen Sohn, Heinrich Waffler (III), der auch als Rittmeister in den
Quellen auftaucht
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1918 verkaufte Rittmeister Waffler den Betrieb schließlich
an die Tonwarenfabrik AG mit Hauptsitz in Schwandorf, welche nachdem
Krieg die Anlagen noch wesentlich erweiterte
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1922 wird in Quellen von einer Belegschaft mit um die 80
Personen gesprochen und von der Produktion von Gebrauchsgeschirr in
Steingut, in der Zeit bis 1928 wird die Fabrik von zwei Rundöfen auf
drei erweitert; insgesamt blieb der Firmenbestand dann mit 33
Spezialmaschinen bis Anfangs der 1950er Jahre so bestehen; lediglich ein
Lager- und Packraum wurde 1941 noch angebaut
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1928 wurde das Firmenzeichen „Schwan“ durch das
ligierte TS ersetzt, obwohl der „Schwan im Kreis“ noch 1930 auf
einer Preisliste vorkommt
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1932/33 begann die Produktion auf Hochtouren zu laufen,
was besonders schön auch an der damals erschienenen Werbung zu sehen
ist, wie sie in der Fachzeitschrift „Die Schaulade“ 1934 veröffentlicht
wurde: „Unter den Firmen, die sich der Herstellung von besonders
preiswertem Steingut-Gebrauchsgeschirr widmen, ist die Tonwarenfabrik
Schwandorf, Schwandorf in Bayern, weithin bekannt, da sie die
reichhaltige Kollektion ihrer Steingutfabrik Schwarzenfeld immer der
jeweiligen Geschmacksrichtung geschickt anzupassen weiß. Ihre Spezialität
sind kräftige und leuchtende Farben, die den Geschirren den beliebten,
betont schmucken Zug geben (...). Zur Bereicherung der Kollektion ist
ein neues Tafelgeschirr unter der Bezeichnung „Jutta“ geschaffen
worden, bei dem besonderer Wert auf ansprechende Linienführung gelegt
wurde. Geschmackvolle, weich aufgebrachte Dekore in Spritztechnik
betonen günstig die Vorzüge der Formgebung. Als praktische und gern
gekaufte Geschenkartikel wurden neue Obstgeschirre in zeitgemäßen
farbigen Dekoren herausgebracht. Diese Geschirre sind in flacher Form
gehalten; sie wirken modisch flott und lassen bei dem billigen Preis
auch eine sehr günstige Verkaufspreislage zu – eine Tatsache, die
heute von besonderer Wichtigkeit ist (...)“
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1934 waren es vor allem die Geschirrserien „Maria“,
„Wolfram“, „Helga“ und „Jutta“, für die intensiv geworben
wurde. Vor allem „Helga“ und „Maria“ wurden sehr beliebte
Tafelgeschirre. „Helga“ ist heute eines der bekanntesten Modelle,
hier vor allem die Dekorvariante „Blaupunkt“ (Dekor 109).
„Maria“ gab es in leuchtenden Unifarben, wie gelb oder grün, vor
allem aber auch mit Bauernmalerei, wie sie auch für das NS-Regime (Haus
Wachenfeld am Obersalzberg) geliefert worden sein soll
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in den Vorkriegsjahren der NS-Zeit war das
Steingutgeschirr aus Schwarzenfeld sehr beliebt, die Dekorationen wurden
teilweise dem damaligen Geschmack bzw. der Ideologie angepasst, so dass
mehrere Versionen von Bauern- bzw. Handmalereien entstanden. Hier war es
dann besonders das Geschirr „Klara“ in der Version
„Handmalerei“, das in diese Zeit passte und während bis nach dem
Zweiten Weltkrieg beliebt blieb. Auch die „Blaupunkt“-Helga gehörte
zu den Klassikern, die bis in die 1950er Jahre sich im Geschirrschrank
großer Beliebtheit erfreuten.
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1938 - 1945 machte auch dem Werk Schwarzenfeld die
Kriegszeit zu schaffen, auch wenn es nur unterschwellig in den
Werbeanzeigen anklingt. Und kurzzeitig musste aufgrund der
Kohleknappheit auch diese Fabrik, wie das Hauptwerk in Schwandorf, 1945
seine Produktion einstellen
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1945-1946 konnten die Öfen dann relativ schnell wieder
auf Hochtouren laufen, weil diese Werksanlagen durch den Krieg unbeschädigt
geblieben waren
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1947 spricht man bereits wieder von einer 50-prozentigen
Auslastung
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1946 - 1956 wurde wieder von Exporten ins Ausland berichtet
und die technische Ausstattung bestand damals aus 32 Brennöfen,
betrieben mit Gas, das aus Braun-, Steinkohle, Briketts gewonnen wurde,
ebenso gab es Dampfanlagen und Elektromotoren und Anschluss an die
Eisenbahn
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Ende der 1940er, Anfang der 1950er Jahre wurde auch das
Geschirr dem damaligen Design angepasst – als wichtigstes Beispiel dürfte
das Geschirr der Form 954 gelten, das H. Löffelhardt entworfen hatte.
Dass man versuchte, auf den nun vorherrschenden Publikumsgeschmack
einzugehen, zeigen auch Vasen und Teller, die der Porzellanmaler
Wilfried Müller in Feingold-Malerei auf den damals beliebten grünlichweißen
opaken Glasurgrund malte
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1956 schließlich wurde vom Aufsichtsrat die Stillegung
des Werkes aufgrund Unrentabilität beschlossen, auch wenn das Löffelhardt-Geschirr
noch einmal einen guten Absatz lieferte
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1956 - 1957 vollständiger Abbruch der Werksanlagen der
Tonwarenfabrik in Schwarzenfeld
(Quelle:
Dr. Werner Endres im Begleitband zur Ausstellung: Steingut - Geschirr
aus der Oberpfalz. Geschichte, Formen, Dekore. Deutscher Kunstverlag
München 2004)
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Die
Zweigwerke der Tonwarenfabrik in
Wiesau
und Pirkensee
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In
der Zeit ihrer größten Ausdehnung bestand die Firmenfamilie der
Tonwarenfabrik neben dem Hauptwerk in Schwandorf aus Filialen in Wiesau,
Pirkensee, Schwarzenfeld und Amberg, so dass insgesamt fünf Werke an
fünf verschiedenen Orten in der Oberpfalz in Betrieb waren. Die
Werksanlagen entstanden alle entweder an vorhandenen Tongruben, die
bereits – außer in Wiesau - durch eine Ziegelei oder Steingutfirmen
genutzt wurden. Der aufgrund der Transportschwierigkeiten bis weit ins
20. Jahrhundert wichtige Standortfaktor „Rohstoffnähe“ spielte demnach
für die Fabrikanlagen eine große Rolle.
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Werk Wiesau von 1945 |
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Der
Zeitzeuge Sigmund Röhrl schrieb 1960 in seiner Werkschronik über die
Bedeutung der Werke, wie wir sie uns heute kaum mehr vorstellen können: „Steinzeugwaren: Für ganz Deutschland hatten hier die Werke Wiesau
und Pirkensee das Monopol aufgrund der guten Qualität. Selbst
Schiffsladungen ab Regensburg gingen nach Österreich und nach Belgrad
[...].“
Das
erste Filialwerk – die Tonwarenfabrik in Wiesau
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1882 begann
man, wie in Schwandorf, mit Werksanlagen, in denen nach Fertigstellung 1883 feuerfeste Steine, Dachdeckmaterial etc. hergestellt wurden. Hierzu
wurde extra ein Bahngleis vom Bahnhof in Wiesau zum Werksgelände
gebaut. Wie in Schwandorf wurde die Fabrik mehrmals erweitert
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um 1900 produzierte es in erster Linie Steinzeugrohre
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wie im Mutterwerk, erfolgten auch hier die identischen
betriebswirtschaftlichen Strukturveränderungen: Von der OHG zur AG sich
wandelnd und zu den jeweiligen Firmenkonzernen, wie schließlich der
Hutschenreuther Keramag, gehörend
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wirtschaftlich schwierige Zeit der 1920er Jahre: das Werk
wurde zwar nicht stillgelegt, jedoch war Kurzarbeit angesagt. Neben den
Steinzeugrohren produzierte man hier wie in Schwandorf Steinzeugartikel:
Sanitärkeramik und Keramikwaren aus Steinzeug für die Landwirtschaft
oder zur Vorratshaltung und Schamotte, die vor allem für die
Montanindustrie benötigt wurde (Rüstungsindustrie der zwei Weltkriege)
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1938/39
Erweiterungsanlagen
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die Problematik der Zeit des Zweiten Weltkriegs (1938-1945)
betraf ebenso die Zweigfabriken, vor allem die Kohleknappheit. Aber: die
Werksanlagen waren durch den Krieg nicht zerstört worden
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nach Kriegsende konnten schon 1946 Schwarzenfeld und
Wiesau wieder produzieren. Modernisierungsmaßnahmen waren entscheidend,
die während der 1950er Jahre bis weit in die 1960er Jahre
hinein erfolgten
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obwohl von den einst fünf Fabriken, die zur Tonwarenfabrik
Schwandorf gehörten, drei im Laufe der Zeit aus wirtschaftlichen Gründen
geschlossen werden mussten (Amberg und Pirkensee 1929 und
Schwarzenfeld 1956), bestand das Werk in Wiesau so lange wie die
Hauptfabrik, also bis 1994
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das Zentrallager für die Auslieferung der Rohre befand sich bis
zum Schluss auf dem Schwandorfer Werksgelände, mit Nähe zu den
zentralen Bahnhofsanlagen
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Konkurrenzdruck war es auch hier, der die Herstellung dennoch zum
Erliegen brachte - nicht nur die billigere Produktion im Ausland,
sondern wohl auch die Änderung des Rohrmaterials innerhalb des
Kanalisationsbaus. Hinzu kamen Modernisierungs- und Rationalisierungsmaßnahmen
in Landwirtschaft (Viehhaltung) und Haushalt, so dass auch diese Absatzmärkte
für Steinzeugartikel wegfielen
Das
Filialwerk in Pirkensee
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in den Jahren 1895-1899: Aufkauf des Ziegeleianwesens
Krempl und Neubau einer Tonwarenfabrik, in einer Zeit als die Fabriken
in Schwandorf und Wiesau bereits sehr erfolgreich liefen und Baukeramik
bzw. Schamotte und Steinzeugartikel produzierten. Auch hier wurden
Steinzeugartikel hergestellt, vor allem nahm die Fabrik einen wichtigen
Platz im Firmensystem der Tonwarenfabrik Schwandorf aufgrund seiner
Produktion von Dachziegeln ein. Besonders wichtig war, dass im südlich
von Schwandorf gelegenen Pirkensee reichlich Tongruben vorhanden waren
bzw. vermutet wurden
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um
1900/01 begann man
mit der Produktion von Dachmaterial mit anfänglichen
„Fabrikationsschwierigkeiten“
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1904/05
begann die Fabrik endgültig zu laufen, wobei der dort abgebaute Ton mit
Ton aus Schwarzenfeld bzw. Bruchsand aus Schwandorf gemischt werden
musste. Werkseinstellungen und Wiederaufnahmen der Produktion bestimmten
die Fabrikgeschichte auch noch in späterer Zeit: Die
Dachziegelherstellung wurde dabei mehrmals ins Hauptwerk nach Schwandorf
verlagert und dann wieder nach Pirkensee zurückverlegt
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des geschah auch während der schwierigen Zeiten im Ersten
Weltkrieg (1914-1918). Zeitweise (z.B. 1914) stellte man auch
die zunächst noch erfolgreich betriebene Steinzeugabteilung ein, für
die man noch um 1905 das Werk vergrößert und 1911
ausgebaut hatte
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1917
nahm man in Pirkensee die Dachziegelproduktion wieder einmal von neuem
auf, dagegen wurde sie nun in Schwandorf eingestellt
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aber: noch einmal musste diese Abteilung nach Schwandorf
wechseln, da nämlich 1919 das Pirkenseer Werk durch ein Großfeuer
völlig zerstört worden war
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die in Schwandorf erfolgreich betriebene Herstellung von „Feuerton“-Produkten
scheiterte um 1924/25 in Pirkensee endgültig
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1928
versuchte man, die Fabrik mit Hilfe der einst so erfolgreichen
Dachziegelproduktion wiederzubeleben, was aber mit Lohnkürzungen für
die Belegschaft verbunden gewesen wäre, die mit der ungünstigen
Transportlage Pirkensees begründet wurden
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als der Fabrikarbeiterverband hier nicht einlenken wollte, war
das Aus für das Zweigwerk Pirkensee besiegelt. Ein wichtiger Faktor
dürfte aber hier generell die kritische Situation gewesen sein, in der
sich auch das Tonwarenwerk Schwandorf durch die Weltwirtschaftskrise
befand
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da
man sich keine Konkurrenz zum Steinzeugproduzenten in Wiesau in die Nähe
holen wollte, verkaufte man auch nicht, sondern beschloss 1928 den
bis ins darauffolgende Jahr 1929 dauernden Abriss der
Fabrikanlagen
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am 5. Oktober 1929 wurden daher unter den Augen vieler
„trauernder“ ehemaliger Pirkenseer Werksarbeiter, die Kamine gesprengt
(Quelle:
Eva Maria Kutzer im Begleitband zur Ausstellung: Steingut - Geschirr aus
der Oberpfalz. Geschichte, Formen, Dekore. Deutscher Kunstverlag
München 2004)
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